Ai, du bist voll knorke!

In letzter Zeit rede ich sehr oft von Selbstliebe und erhalte ebenso häufig Nachrichten, Kommentare und Mails mit Fragen, wie mensch sich denn nun selbst lieben kann. Irgendwie kommt die Fähigkeit sich selbst lieben zu können oder zu dürfen einer unlösbaren Matheaufgabe gleich. Also so war es zumindest für mich. Mathe war für mich schon immer eine Raketenwissenschaft, ich hab da einfach kein Verständnis für – es entspricht nicht meiner eigenen Form der Logik. Und so war es beim Thema Selbstliebe auch. Mathe mögen viele Menschen nicht und mit Selbstliebe hadern wohl auch die meisten. Und um mal bei dem Mathe Vergleich zu bleiben, braucht es beim Thema Selbstliebe und Selbstakzeptanz einfach auch manchmal ein wenig Nachhilfe, Übung und Geduld, wenn es von alleine nicht ganz klappen mag. Ich habe mich daher neulich mit der Barmer zum Real Talk getroffen um etwas intensiver über dieses Thema zu plaudern, denn es sollte viel präsenter sein in den sozialen Medien. Das Ergebnis unseres Treffens ist wirklich zauberhaft geworden, ein echter Real Talk eben und hier könnt ihr euch selbst davon überzeugen.

Doch wieso müssen wir eigentlich darüber sprechen und warum sollte das überhaupt wichtig sein? Klingt an vielen Stellen auch einfach wahnsinnig hippiemäßig, aber es hat seine Berechtigung. Ja, es gibt sogar eine Notwenigkeit das Thema Selbstliebe präsenter zu machen. Denn Selbstliebe kann der ultimative Schlüssel zur Glückseligkeit sein, die Lösung vieler Probleme. Aber alles was schön ist, ist nicht immer leicht zu erreichen und so wird uns das Ganze leider super schwer gemacht. En vogue ist es, die eigenen Bedürfnisse gaaaanz hinten anzustellen und erst mal den Chef, die Eltern, die Kinder, Partner, Freunde, die Welt, das Finanzamt, die Wäsche oder Nachbarn glücklich zu machen. Erst wenn alle Aufgaben erledigt sind, bleibt eventuell ein bisschen Zeit für uns. Und faktisch ist das in vielen Fällen sehr sehr wenig Zeit. Naja, sind wir mal ehrlich, viele Menschen nehmen sich überhaupt keine Zeit für sich selbst.
Die Fähigkeit sich selbst zu lieben steht in enger Verbindung mit unserem Selbstwertgefühl und der eigenen Selbstsicherheit. Das Problem ist nur, dass diese Dinge in einer Leistungsgesellschaft nicht gerne gesehen sind. Ich sage nur „Eigenlob stink“ – wie ich diesen Satz hasse. Er ist wahnsinnig destruktiv und ruft zur falschen Bescheidenheit auf. Wieso sollten wir uns denn keine Komplimente machen dürfen oder einfach mal sagen, dass wir einen verdammt guten Job gemacht haben?

Die Frage ist aber doch, wie geht das mit der Selbstliebe? Tja, wenn das mal so einfach wäre. Ich glaube, da hätte die Menschheit ganz generell mal das ein oder andere Problem weniger. Denn zu lernen sich selbst zu lieben ist ein Prozess, ein stetiger und langwieriger. Manchmal auch müßig und häufig nicht mit Erfolg gekrönt und gefördert wird mensch dabei meist auch nur von sich selbst. Aber es ist dennoch so wichtig. Ich möchte euch kurz erzählen, wie ich dazu kam und was sich in meiner Welt verändert hat seitdem. Tatsächlich habe ich mein Bewusstsein mir selbst gegenüber, meiner Depression zu verdanken. Und ich sage hier mit Absicht „zu verdanken“, denn ich sehe inzwischen viel Positives in dieser sehr dunklen Phase meines Lebens. In der Therapie habe ich mich intensiv mit meiner eigenen Person beschäftigt und die Probleme um mich herum kurzzeitig ausgeblendet. Ich habe in mich reingehört, gefühlt und gesehen. Versucht herauszufinden wer ich bin, was ich mag und was mir wirklich wichtig ist. Achtsamkeit war das Zauberwort. Und Achtsamkeit is the key, ohne Scheiß! Ich hab das auch immer müde belächelt, denn so was wie Achtsamkeit klingt super dolle nach Eltern-Geheimtipp und mit dem Handy in der Hand ist es auch denkbar schwierig sich auf das aktuelle Geschehen (außerhalb des Handys) zu konzentrieren. Will menschen ja zugegebenermaßen meist auch nicht.
Ich habe aber beispielsweise damit begonnen Dinge ernst zu nehmen die mich an mir selbst gestört haben. Hab einfach mal hingesehen und auf mich gehört. Meine anhaltenden Rückenschmerzen, meine ständigen Magenprobleme, die Migräne und auch den Umstand, dass ich für Depressionen besonders anfällig bin. Aber auch, dass mich Dinge zu schnell stressen, ich häufig zum Aufschieben von Aufgaben neige und ungern über meine Probleme spreche. Mein Körper wollte mir etwas sagen und ich habe drauf gehört. Und ich habe diese Dinge einfach akzeptiert, angenommen und versucht, mir selbst etwas Gutes zutun und mich vor allem nicht selbst verrückt zu machen. Krankheiten, schlechte Tage, Misserfolge und andere vermeintlich „negative Dinge“ sind normal und menschlich. Das gehört zum Leben dazu und es ist kein Grund sich die Lebensfreude nehmen zu lassen. Häufig ist es eine Einstellungssache. Ich sehe ein, dass es in vielen Lagen nicht einfach ist und manche Situationen wohl schwieriger sind als andere. So ist dieser Rat für eine sehr kranke Person wohl tatsächlich noch schwieriger umzusetzen. Letztlich kommt es aber in jeder Lage darauf an, wie wir mit unserem Schicksal umgehen und was wir daraus machen.

Sport war beispielsweise nie mein Ding, gar nicht. Ich habe es gehasst, bin aber auf Anraten vieler Ärzte trotzdem hin und habe mich drauf eingelassen. Und zum ersten mal hatte ich Spaß und es tat mir gut. Es ist gut für meinen Rücken, meine Migräne kommt nur noch ganz selten und auch die Stimmung ist generell viel besser. Ich wollte es selbst nicht glauben, aber es hat einen positiven Einfluss auf mich. Seitdem achte ich auf meinen Lebensstil. Nicht so viel Alkohol, ausgewogen essen und vor allem höre ich auf meinen Körper. Wenn ich etwas nicht vertrage, dann konsumiere ich es sparsam oder gar nicht mehr. Wenn ich erschöpft bin, ruhe ich mich aus und wenn mir etwas gänzlich widerstrebt, dann mache ich es nicht oder suche mich Alternativen um die Situation so angenehm wie möglich zu lösen. Ich möchte mich nicht quälen, auch wenn es natürlich Dinge gibt um die wir nicht herumkommen.

Jeder Mensch hat seine „Baustellen“, manchmal sind diese für Außenstehende nicht einmal sichtbar. Dennoch sind sie da und hinterlassen einen großen oder geringeren Leidensdruck. Das kann uns auch meist keiner nehmen, wir müssen uns selbst einen Gefallen tun und uns selbst helfen. Ich habe beispielsweise begonnen mir zu sagen, dass ich schön bin. Und gut in dem was ich mache. Positive Glaubenssätze. Zu oft sagen wir uns unterbewusst, dass wir schlecht sind oder zu faul, zu dick/dünn, zu alt/jung und ähnliche Dinge. Das prägt sich ein und genauso geht es auch andersherum. Fangt an euch selbst gut zu finden. Schaut nicht zu sehr auf das, was ihr nicht habt, sondern freut euch über die Dinge die ihr habt. Mag sein, dass die Nachbarin die schöneren Haare hat, aber eure sind auch super und es gibt viele andere sehr liebenswerte Dinge an euch. Nicht nur optisch. Feiert diese Dinge, feiert euch selbst. Denn da gibt es eine Menge gut zu finden. Das ist nicht leicht, aber es ist machbar. Und letztlich tut ihr euch damit nur selbst einen Gefallen, es dient dem eigenen Wohlbefinden. Eine Sache, die mensch ausnahmslos für sich selbst tut und für niemand anders.

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