BREAKING NEWS: TERRORIST WAR FLUECHTLING …

… da haben wir den Salat. Kaum sind die schrecklichen Attentate ein paar Minuten her, explodiert das Internet. Fremdenhass, Terror Angst vor Flüchtlingen und dem Islam dominieren Tweets und Postings. Die Toten dieser Tragödie werden postum instrumentalisiert um Hass und Angst zu schüren. Leider gerät das Ganze ziemlich schnell aus dem Ruder. War absehbar. Denn es ist schon die ganze Zeit absehbar.
Plötzlich haben wir den Terror, vor dem die Flüchtlinge fliehen, quasi vor der Haustür. Also quasi, denn Berlin ist von Paris noch ein ganzes Stück weg. Aber es stellt natürlich eine Bedrohung für das eigene Leben dar.
Der IS ist zwar jetzt auch keine neue Erfindung und wie wir alle wissen sorgt eben jener IS in Syrien schon seit Jahren für Flüchtlingsströme, Angst und Terror. (Da geht es richtig ab. Was wir erlebt haben war nur ein kleiner Fetzen von dem, was in Syrien Alltag ist.) Aber jetzt wird auch uns sesselfurzenden Europäern, den es denkbar gut geht, mal so richtig bewusst was im Rest der Welt täglich abgeht. Und wovor Menschen so fliehen.

Wir haben Angst. Angst vor Terror. Also unterscheiden wir uns gar nicht von jenen Flüchtlingen, vor denen wir ebenfalls Angst haben. Eigentlich sind wir alle gleich.
Wir wollen ein ruhiges, friedliches, unbeschwertes Leben führen. Wird diese Idylle gestört, versuchen wir wohl etwas dagegen zu tun. („Wir“ fungiert in diesem Fall als Synonym für die Europäische Volksgemeinschaft und kann natürlich auch Einzelpersonen ausschließen. Ich z.B. fühle mich aktuell nicht bedroht und fühlte mich auch von den ankommenden Hilfesuchenden nicht bedroht. Und das obwohl ich wohl in einer Gegend wohne, die ein passables Anschlagsziel wäre).
Wie in meinem letzten Artikel zu diesem Thema schon geschildert, flüchtet keiner zum Spaß an der Freude. Die Debatte dazu reißt ja aktuell nicht ab. Und nun haben wir den Salat. IS vor der Tür. Und wer ist Schuld? Die Flüchtlinge!? Weil ausgerechnet einer der Terroristen ein Syrier war, welcher über Griechenland einreiste (EDIT: Der gefundene Pass des mutmaßlichen Terroristen welcher als Flüchtling nach Frankreich kam, gehörte einiger Medienberichte zufolge einem der Opfer des Anschlags. Also ist hier tatsächlich erstmal nichts bewiesen).
In den Debatten wird der Umstand, dass der zweite identifizierte Terrorist Franzose war dann gänzlich ausgeblendet. Wieso das so ist, ist einfach zu erklären.

„Die Terroristen kommen mit den Flüchtlingen nach Europa“, liest man in jedem zweiten Satz. Würden nur 0,01 % der Flüchtlinge dem IS angehören, hätten wir hier direkt eine Katastrophe. Diese phantasievollen Statistiken hört man zur Zeit überall. Was machen wir aber wenn 0,01% der einheimischen Bevölkerung dem IS angehören? Oder es gar keinen IS braucht für Terror (siehe NSU. Hausgemachter Terror, made in Germany). Die Herkunft jener Terroristen ändert nichts an dem Umstand, dass diese Menschen dazu in der Lage waren anderen Menschen großen Leid zuzufügen. Und diese Art von Mensch gibt es überall. Aber „Flüchtling war Terrorist“ klingt für die BILD einfach besser und ist weitaus polemischer als „Terroristen kamen auch aus Frankreich“. Denn dagegen kann man auch erstmal nichts tun. Und das einzige was jetzt gefordert wird sind Taten. Verständlich. Aber die Grenzen dicht zu machen wird niemanden schützen. Denn die Faktenlage sagt ja nach wie vor, dass mindestens ein Attentäter Franzose war.

Es wird dabei einfach ein ganz fataler Denkfehler begangen: Der Flüchtlingsstrom ist nämlich nur Mittel zum Zweck und nicht die Ursache des Terrors.
Würden aktuell nicht so viele Menschen vor genau diesen IS-Terroristen fliehen, würden ebendiese Terroristen auch anders ins Land kommen. Es ist einfach vermessen, diese beide Thematiken zu vermischen, denn am Ende fördert das nur eins; Angst und Hass. Und beides ist sehr kontraproduktiv in der Stärkung einer Gemeinschaft und in dem gemeinsamem Kampf gegen Dinge wie Terrorismus. Angst lässt uns nachweislich nicht mehr klar denken; wie kopflose Hühner rennen alle panisch umher und suchen einen Schuldigen um sich besser zu fühlen.
Dabei ist nicht der Flüchtling, die Religion, schon gar nicht die Hautfarbe oder ähnliches die Ursache, sondern der Mensch per se. Denn der Mensch ist im allgemeinen zu so etwas fähig und davor kann man sich als Mensch eben nicht schützen.
Die Geschichte hat uns einfach gelehrt, dass wir Terror schon immer auch im eigenen Land hatten und dass es dazu keine Flüchtlinge oder eine andere Religion braucht. Dieheimische Religion hat nebenbei bemerkt schon ausreichend Arschlöcher gefördert – Breivik z.B. war bekennender Christ.
Ich weiß nicht ob es bekannt ist, aber es sind 650 Menschen aus Deutschland für den IS im Krieg gewesen und teilweise (ganz legal und sicher nicht zu Fuß im Flüchtlingsstrom) hierher zurück gekommen. Das sind natürlich zu viele Informationen für angstgeplagte Gehirne, denn diese Informationen sagen vor allem eins; Mensch kann sich nicht davor schützen.
Klar, es bringt nichts jetzt apokalyptische Zustände herbeizureden, aber es ist nunmal so, dass der Mensch schon immer zu solchen Grausamkeiten in der Lage war und dass wir einfach generell ein Problem haben.

Desweiteren geht es hier nicht darum zu debattieren ob jene Menschen, die hier Hilfe und Schutz suchen alle lieb und nett sind, denn überall gibt es tolle Menschen – aber eben auch Arschlöcher. Länderübergreifend. Aber wenn wir anfangen die Schuld im Flüchtlingsstrom zu suchen beginnen wir am ganz falschen Ende. Jene Menschen sind meist die ärmsten Schweine unter dieser Sonne. Von Krieg und Elend gequält (wie gesagt; was in Paris passierte, sehen diese Menschen täglich), suchen sie nur Zuflucht. Zuflucht vor jenen Terroristen, die wir ebenso fürchten.
Können wir es ihnen verdenken, dass sie vor dem IS fliehen? Was würde passieren, wenn der IS mehr Anschläge in Europa verübt? Würden wir nicht auch unsere Koffer packen wenn das eigene Land in Schutt und Asche liegt?
Der IS ist verantwortlich. Jener Haufen verwirrten Menschen, die unter dem Deckmantel der Religion ihren Fanatismus freien lauf lassen. Wir müssen als Menschen zusammenhalten, uns helfen und unterstützen. Jenen Flüchtlingen wäre geholfen, wenn der Terror in ihrem Land beendet würde. Und das sollte oberstes Ziel sein. Auch uns würde das helfen. Allen.

Grenzen zu schließen, Schuldige unter Unschuldigen zu ermitteln, Hass und Angst zu schüren ist kontraproduktiv. Es wird niemanden helfen, im Gegenteil.

Nach meinen letzten Äußerungen wurde ich teilweise als „naiv“ tituliert oder gar als „dumm“, „Gutmensch“ oder „medienmanipuliert“. In den Augen einiger mag es absurd wirken in diesen Tagen auf die Menschlichkeit und die Gleichheit aller Menschen zu verweisen, vor allem weil die westliche Welt ihren Arsch immer besonders hoch hängt. Das Leben eines Syriers ist am Ende des Tages aber genauso viel wert wie das Leben eines Franzosen, Deutschen oder einem Menschen aus Beirut (habt ihr mitbekommen, dass es dort zeitgleich einen Anschlag des IS mit 40 Toten (Stand 15.11.2015) gab). Wer es als naiv oder dumm erachtet zur ehrlichen Solidarität aufzurufen (diese geht weit über eine Fahne als Profilbild bei Facebook hinaus), Hass und Propaganda keinen Raum zu bieten, der kann mich gerne auch naiv nennen. Denn dann bin ich lieber naiv als unmenschlich.

3 Comments

  1. miri

    sehr gut getroffen … daumen hoch… was mir jedoch auch zu denken gibt ist das thema „grenzzaun“… es stimmt und ich bin deiner meinung, dass dieser die flüchtlinge nicht aufhält und auch nicht soll… was aber jedoch gemacht werden sollte, ist zu kontrollieren.. damit man weiss wer da reinkommt und nicht nur an der balkanroute .. es kann doch nicht sein, dass jemand mit einem auto voller waffen durch ganz österreich fährt und erst an der deutschen grenze aufgehalten wird… denn es stimmt, die flüchtlinge fliehen vor dem terror und welchen sinn würde es ergeben, wenn es an deren ziel (europa) das gleiche gibt … und wohin würden wir dann alle fliehen… nach russland?;)

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